 |

1927 |
Mit einer über 380-jährigen
Geschichte gehört die Schützengilde von Estebrügge
mit wenigen anderen zu den ältesten Schützenvereinigungen
in der Region an der Niederelbe.
Sie kann sich in ihrer Chronik auf erste Erwähnungen
im Jahre 1612 berufen, als sich auch in unserer engeren Heimat
wehrhafte Bürger zusammentaten, um Leben, Hab und Gut
gegen Mord, Raub und Brandschatzung zu verteidigen.
Die Liste der Schützenkönige läßt
sich bis in das Gründungsjahr 1612 zurückverfolgen,
als Jochim Gevekoth zum ersten Mal diese Würde errang.
Heute bewahren knapp 350 Mitglieder,
davon 247 Schützenbrüder und 67 Schützenschwestern,
sowie 40 jugendliche Nachwuchsschützinnen und -schützen,
eingeteilt in sog. Rotts (Abteilungen), die Tradition dieser
Schützenvereinigung. Außerdem vertritt eine
eigene Fanfaren-Drum-Band das Ansehen der traditionsreichen
Schützengilde. Unter den Mitgliedern der Gilde sind 65
Schützen und 35 Damen, sowie 14 Jugendliche schießsportlich
aktiv. Das sportliche Schießen wird in jüngerer
Zeit in Estebrügge seit 1956 betrieben, als die Gilde
sich erstmals an der Winterrunde beteiligte.
Drei Schützenschwestern haben
1965 die heute fast 70 Mitglieder starke
Damenabteilung gegründet, die sich seit 1971 in der Winterrunde
und seit 1975 bei
Bezirksmeisterschaften schießsportlich beteiligen.
Der Gildevorstand, mit dem 1. Vorsitzenden
an der Spitze, besteht aus 6 Personen, zusätzlich sind
7 Schützenschwestern und -brüder Mitglied des erweiterten
Vorstandes als Beirat. Die Damen in der Estebrügger
Schützengilde zahlen nur die Hälfte der Beitragshöhe,
die Schützen zu entrichten haben, wenn ihr Ehegatte auch
Mitglied der Gilde ist. Jugendliche und Kinder haben je nach
Alter reduzierte Beitragssätze. Die Kosten für die
Teilnahme am Königsschießen sowie am Königsball
sind im Jahresbeitrag enthalten. Zu Ehrenmitglieder ernennt
der Vorstand Mitglieder, die mindestens 40 Jahre Mitglied
der Gilde sind und das 85. Lebensjahr vollendet haben, oder
insgesamt 50 Jahre Mitglied sind. In Ausnahmefällen kann
für besondere Verdienste um das Schützenwesen auch
eine Ehrenmitgliedschaft ausgesprochen werden.
Der erste Schießstand der
Gilde wurde im Jahre 1912 als Großkaliberanlage (175
m) gebaut.
1937 wurde zusätzlich ein KK-Anzeigerstand errichtet,
der noch heute jedoch hauptsächlich für das Königsschießen
zur Verfügung steht. 1952 wurde der GK-Stand auf 50 m
verkürzt und zum KK-Stand umgebaut. Der 1912 gebaute
Schießstand wurde 1989 durch ein Feuer zerstört.
Schon 1990 konnte ein neues Gebäude fertiggestellt werden.
Es verfügt über eine Nutzfläche von mehr als
300 Quadratmetern, zwei Aufenthaltsräume mit mehr als
100 Sitzplätzen und die vorgeschriebenen sanitären
Einrichtungen. Die Bewirtung wird durch die Gilde selbst organisiert.
Die Baukosten wurden zu einem Teil auch mit öffentlichen
Mitteln gefördert.
Die Anlage verfügt über 12 Schießbahnen
für Luftgewehr und Luftpistole, sowie 8 Bahnen für
Kleinkaliber-Auflage und KK-Standard. Außerdem stehen
5 KK-Anzeigerstände zur Verfügung. Dafür hat
die Gilde 16 KK-Gewehre, 5 Luftgewehre und 4 Luftpistolen
als vereinseigene Waffen zur Verfügung. Für die
Aufsicht und das
Training haben drei Mitglieder den Sachkundenachweis erbracht
und drei Trainer-C-Prüfung abgelegt.
Lang ist die Liste der Würdenträger
beim Estebrügger Schützenfest.
Dann werden proklamiert:
Schützenkönig und Damenkönigin , Jungschützenkönig
und Jungschützenkönigin , Bester Mann, Beste Dame,
Bester der Jungschützen, Beste(r) der Spielleute, Bester
der Jüngsten, König der Könige, könig
der Jungschützenkönige, Kinderschützenkönig,
Kindervogelkönig(in) und Vogelkönig der Jungschützen.
Außerdem trifft man sich am
Tag des Estebrügger Marktes zum Vogelschießen.
Ferner werden zur entsprechenden Saison Eröffnungsschießen
und Schlußschießen, sowie Weihnachtsschießen
veranstaltet. Gesellschaftlicher Höhepunkt ist am 1.
Samstag im November der Königsball. Außerdem werden
Weihnachtsfeiern, Lofto- und Skatabende, und auch Boßeln
veranstaltet.
| Ehrentafel
der Schützenkönige |
 |
| 1612 |
Jochim Gevekoth |
1873 |
H. Harms |
1969 |
Günther Mohr |
| 1613 |
Johan Schulte |
1875 |
J. Quast |
1970 |
Peter Wegener |
| 1614 |
Johan Nibbe |
1879 |
J. H. Quast |
1971 |
Johann Hubert |
| 1615 |
Harmen Rode |
1882 |
H. Brandt |
1972 |
Horst Gevekoth |
| 1616 |
Johan Havschildt |
1884 |
Hinrich Hey |
1973 |
Hans Eckhoff |
| 1719 |
Johann Möhring |
1886 |
P. Quast |
1974 |
Hermann Beck |
| 1720 |
Jakob Schliecker |
1888 |
Hinrich Bender |
1975 |
Heinrich Peter Osse |
| 1723 |
Johan Rohde |
1890 |
Nikolaus Paim |
1976 |
Heinrich Peter Osse |
| 1726 |
Jakob Möhring |
1892 |
Johannes Buchholtz |
1977 |
Hermann Hauschildt |
| 1729 |
Dirk Winter |
1894 |
J. Hinzpeter |
1978 |
Walter Ahrens |
| 1734 |
Ehrig Möhring |
1896 |
Peter Wegener |
1979 |
Manfred Prahl |
| 1742 |
Dettlef Zieppel |
1898 |
Hinrich Pieh |
1980 |
Udo Brömstrup |
| 1745 |
Hinrich Broyhan |
1900 |
Hinrich Piehl |
1981 |
Hans Piepenbrink |
| 1746 |
Johann Quast |
1902 |
Johannes Kieck |
1982 |
Helmut Peter |
| 1748 |
Garleif Lindemann |
1904 |
Nikolaus PaIm |
1983 |
Klaus Dieter Mahler |
| 1753 |
Johann Hinrich Zomfelde |
1906 |
Johs. Jul. Piehl |
1984 |
Gerd Ritscher |
| 1755 |
Caspar Winter |
1908 |
Hinrich Quast |
1985 |
Kurt Giese |
| 1759 |
Caspar Winter |
1910 |
Johannes Banedt |
1986 |
Hans Hermann Öhms |
| 1760 |
Peter Schliecker |
1912 |
Amandus Harms |
1987 |
Günther Mohr |
| 1764 |
Nicolaus Paim |
1914 |
Willi Bartels |
1988 |
Walter Poll |
| 1780 |
H.J. Möhring |
1920 |
Peter Gevekoth |
1989 |
Reinhard Quast |
| 1784 |
Hinrich Quast |
1921 |
Otto Wegener |
1990 |
Jürgen Lust |
| 1793 |
Garlef Köster |
1923 |
Johannes Meyer |
1991 |
Klaus Hankel |
| 1828 |
Jochen Holst |
1925 |
Julius Quast |
1992 |
Horst Treusch |
| 1829 |
Peter Henning |
1927 |
Heinrich (Heiny) Lührs |
1993 |
Johann Rademacher |
| 1830 |
Jakob Feldmann |
1930 |
August Piepenbrink |
1994 |
Martin Brakopp |
| 1832 |
Johann Quast |
1933 |
Johannes 0ff |
1995 |
Peter Sumfleth |
| 1835 |
Peter Bartels |
1935 |
Peter Gevekoth |
1996 |
Dirk Blohm |
| 1838 |
J.H. Bösch |
1937 |
Gustav PaIm |
1997 |
Maik Benecke |
| 1842 |
C.B. Benecke |
1939 |
Amandus Harms |
1998 |
Norbert Schier |
| 1844 |
Johann Minners |
1950 |
Wilhelm Freudenthal |
1999 |
Claus Meyer |
| 1846 |
Johann Minners |
1952 |
Dr. Hans Hermann Rüdiger |
2000 |
Dirk Lühs |
| 1847 |
J. Hinr. Meinke |
1954 |
Gustav Meyer |
2001 |
Thomas Stöckmann |
| 1848 |
Garlef Helmke |
1956 |
Walter Buchholtz |
2002 |
Werner Loitz |
| 1850 |
Dietrich Meyer |
1958 |
Paul Schwarz |
2003 |
Jens Hauschildt |
| 1852 |
Johann Quast |
1960 |
Jakob Ecks |
2004 |
Thorsten Franz |
| 1854 |
Peter Marquardt |
1963 |
Amandus Meyer |
2005 |
Jens-Peter Quast |
| 1856 |
Johann Hinr. Behrens |
1964 |
Gerd Quast |
2006 |
Fred Schulenburg |
| 1858 |
Hinrich Meyer |
1965 |
Günter Schubert |
2007 |
Dirk Lühs |
| 1866 |
Peter Korif |
1966 |
Günter Feldtmann |
2008 |
Reiner Quast |
| 1867 |
Paul Wriede |
1967 |
Günter Feldtmann |
2009 |
Bernd Lühmann |
| 1871 |
J J. Heinrich |
1968 |
Paul Suhr |
2010 |
Lothar Böttcher |
| |
|
|
|
2011 |
Dieter Franz |
Nicht überliefert sind uns
die Namen der Könige von folgenden Estebrügger Schützenfesten,
die aber nachweislich stattfanden:
1666 · 1750 ·
1762 · 1763 · 1768 · 1771
· 1773 · 1776 · 1792 ·
1814 · 1815 · 1826 · 1827
· 1834 · 1836 · 1843 ·
1862 · 1863 · 1868 · 1869
· 1877
| Die
Könige seit dem Jahre 1912 |
| Aus
der Chronik kurz zitiert |
Ausgehend von den politischen Verhältnissen,
die mit dem Dreißigjährigen Krieg Gesetzlosigkeit
und Verwüstung über die geschundene deutsche Landschaft
brachten, waren die Schützengilden der damaligen Zeit
bestrebt, Schutz gegen die Verwegenheit und die Übergriffe
seitens der Raubritter zu gewinnen, heißt es in der
Chronik zum 375. Bestehen 1987.

375-jähriges Jubiläumsschützenfest
1987
Die Estebrügger hatten sich dann
1648 nach dem Abschluß des Westfälischen Friedens
bei den Schweden, die das Land an der Elbe beherrschten, hohes
Ansehen erworben. Ihr tapferes Verhalten wurde damit belohnt,
daß sie seither das Wappen Schwedens in der Fahne der
Gilde führen durften.
Die Ausbildung der Schützen war schon im 14. Jahrhundert
vielerorts Pflicht gewesen, um sich bei Not und Gefahr gegenseitig
Hilfe leisten zu können. Und so verschrieb sich Anno
1479 auch das Kirchspiel zur Este, der Stadt Buxtehude vierzig
Schützen, wenn nötig und begehret würde, zu
Hülfe zu schicken.
Die an vielen historischen Details
reiche Geschichte der Estebrügger Schützengilde
hat ihre Wurzeln vermutlich ebenso im Bau der noch heute mitten
im Kirchspiel liegenden Esteburg, heißt es in der Chronik
weiter.
Sie ist trotz Burggraben, Schießscharten und Zugbrücke
keine Raubritterfestung, sondern wurde vom damaligen Erbischhöflichen
Rat und Gräte des Alten Landes, Dietrich Schulte, als
Wohnsitz errichtet.
Ein wichtiges noch im Original vorhandenes Dokument der Zeitgeschichte
ist die Leges der Schützen-Gilde zur Estebrügge,
gerichtllch confirmiret 18. Juny 1763, in der u.a. der Ablauf
des Schützenfestes geregelt war, so beispielsweise das
Schießen um den silbern Papogay und dessen Aufbewahrung
bis zum nächsten Schützenfest. Dieser Vogel hat
die Gestalt einer Taube, vom Papagei nur den krummen Schnabel.

|