• Chronologie

     

    Mit einer über 400 jährigen Geschichte gehört die Schützengilde von Estebrügge mit wenigen anderen zu den ältesten Schützenvereinigungen in der Region an der Niederelbe. Sie kann sich in ihrer Chronik auf erste Erwähnungen im Jahre 1612 berufen, als sich auch in unserer engeren Heimat wehrhafte Bürger zusammentaten, um Leben, Hab und Gut gegen Mord, Raub und Brandschatzung zu verteidigen. Die Liste der Schützenkönige läßt sich bis in das Gründungsjahr 1612 zurückverfolgen, als Joachim Gevekoth zum ersten Mal diese Würde errang.

    Heute bewahren 278 Mitglieder, davon 187 Schützenbrüder und 44 Schützenschwestern, sowie 34 jugendliche Nachwuchsschützinnen und -schützen, eingeteilt in sog. Rotts (Abteilungen), die Tradition dieser Schützenvereinigung. Außerdem vertritt eine eigene Fanfaren-Drum-Band ( 13 Mitglieder) das Ansehen der traditionsreichen Schützengilde. Unter den Mitgliedern der Gilde sind 60 Schützen und 28 Damen, sowie 8 Jugendliche schießsportlich aktiv. Das sportliche Schießen wird in jüngerer Zeit in Estebrügge seit 1956 betrieben, als die Gilde sich erstmals an der Winterrunde beteiligte.

    Drei Schützenschwestern haben 1965 die heute 44 Mitglieder starke Damenabteilung gegründet, die sich seit 1971 in der Winterrunde und seit 1975 bei Bezirksmeisterschaften schießsportlich beteiligen.

    Der Gildevorstand, mit dem 1. Vorsitzenden an der Spitze, besteht aus 6 Personen, zusätzlich sind 10 Schützenschwestern und -brüder Mitglied des erweiterten Vorstandes als Beirat. Die Damen in der Estebrügger Schützengilde zahlen nur die Hälfte der Beitragshöhe, die Schützen zu entrichten haben, wenn ihr Ehegatte auch Mitglied der Gilde ist. Jugendliche und Kinder haben je nach Alter reduzierte Beitragssätze. Die Kosten für die Teilnahme am Königsschießen sowie am Königsball sind im Jahresbeitrag enthalten. Zu Ehrenmitglieder ernennt der Vorstand Mitglieder, die mindestens 40 Jahre Mitglied der Gilde sind und das 85. Lebensjahr vollendet haben, oder insgesamt 50 Jahre Mitglied sind. In Ausnahmefällen kann für besondere Verdienste um das Schützenwesen auch eine Ehrenmitgliedschaft ausgesprochen werden.

    Der erste Schießstand der Gilde wurde im Jahre 1912 als Großkaliberanlage (175 m) gebaut. 1937 wurde zusätzlich ein KK-Anzeigerstand errichtet, der noch heute jedoch hauptsächlich für das Königsschießen zur Verfügung steht. 1952 wurde die  Großkaliberanlage auf 50 m verkürzt und zum KK-Stand umgebaut. Der 1912 gebaute Schießstand wurde 1989 durch ein Feuer zerstört. Schon 1990 konnte ein neues Gebäude fertiggestellt werden. Es verfügt über eine Nutzfläche von mehr als 300 Quadratmetern, zwei Aufenthaltsräume mit mehr als 100 Sitzplätzen und die vorgeschriebenen sanitären Einrichtungen. Die Bewirtung wird durch die Gilde selbst organisiert. Die Baukosten wurden zu einem Teil auch mit öffentlichen Mitteln gefördert.

    Die Anlage verfügt über 12 Schießbahnen für Luftgewehr und Luftpistole, sowie 8 Bahnen für Kleinkaliber-Auflage und KK-Standard. Außerdem stehen 5 KK-Anzeigerstände zur Verfügung. Dafür stehen der Gilde 16 KK-Gewehre, 10 Luftgewehre und 4 Luftpistolen als vereinseigene Waffen zur Verfügung. Für die Aufsicht und das Training haben mehrere Mitglieder den Sachkundenachweis erbracht und die Trainer-C-Prüfung abgelegt.

    Lang ist die Liste der Würdenträger beim Estebrügger Schützenfest.Dann werden proklamiert:Schützenkönig, Damenkönigin, Beste Dame, Bester Mann, Jungschützenkönigin, Jungschützenkönig, Beste Dame Jüngschützen, Bester Mann Jüngschützen, König der Könige, Königin der Damenköniginnen, König der Jungschützenkönige, Vogelkönig der Jungschützen, Bester der Spielleute, Bester der Jüngsten, Kinder König, Beste Kinder Dame, Kinder Vogel König.

    Außerdem trifft man sich im Herbst zum Vogelschießen. Hier wird die Papageienkönigin und der Vogelkönig proklamiert. Ferner werden zur entsprechenden Saison Eröffnungsschießen und Schlußschießen, sowie Weihnachtsschießen veranstaltet. Gesellschaftlicher Höhepunkt ist am 1. Samstag im November der Königsball. Außerdem werden Weihnachtsfeiern, Lotto- und Skatabende veranstaltet.

    Ausgehend von den politischen Verhältnissen, die mit dem Dreißigjährigen Krieg Gesetzlosigkeit und Verwüstung über die geschundene deutsche Landschaft brachten, waren die Schützengilden der damaligen Zeit bestrebt, Schutz gegen die Verwegenheit und die Übergriffe seitens der Raubritter zu gewinnen, heißt es in der Chronik zum 400. Bestehen 2012.

    Gildefoto_1

    Foto zum 400. Bestehen der Schützengilde.

     

    Die Estebrügger hatten sich dann 1648 nach dem Abschluß des Westfälischen Friedens bei den Schweden, die das Land an der Elbe beherrschten, hohes Ansehen erworben. Ihr tapferes Verhalten wurde damit belohnt, daß sie seither das Wappen Schwedens in der Fahne der Gilde führen durften.Die Ausbildung der Schützen war schon im 14. Jahrhundert vielerorts Pflicht gewesen, um sich bei Not und Gefahr gegenseitig Hilfe leisten zu können. Und so verschrieb sich Anno 1479 auch das Kirchspiel zur Este, der Stadt Buxtehude vierzig Schützen, wenn nötig und begehret würde, zu Hülfe zu schicken.

    Die an vielen historischen Details reiche Geschichte der Estebrügger Schützengilde hat ihre Wurzeln vermutlich ebenso im Bau der noch heute mitten im Kirchspiel liegenden Esteburg, heißt es in der Chronik weiter.Sie ist trotz Burggraben, Schießscharten und Zugbrücke keine Raubritterfestung, sondern wurde vom damaligen Erbischhöflichen Rat und Gräte des Alten Landes, Dietrich Schulte, als Wohnsitz errichtet.Ein wichtiges noch im Original vorhandenes Dokument der Zeitgeschichte ist die Leges der Schützen-Gilde zur Estebrügge, gerichtllch confirmiret 18. Juny 1763, in der u.a. der Ablauf des Schützenfestes geregelt war, so beispielsweise das Schießen um den silbern Papogay und dessen Aufbewahrung bis zum nächsten Schützenfest. Dieser Vogel hat die Gestalt einer Taube, vom Papagei nur den krummen Schnabel.